Wenn wir politische Spitzenkandidaten genauer unter die Lupe nehmen als andere Leute, so hat das seinen guten Grund. Das Verhalten eines Spitzenkandidaten, zumal auf Bundesebene, gibt uns Aufschluss über die politische Kultur einer Partei und darüber, ob sich Wähler und Wählerinnen in dieser Kultur repräsentiert sehen und sich diese als Leitbild für ihre Gesellschaft wünschen. Die Entgleisung Brüderles war sicher kein Verbrechen, sondern eben dies: eine Entgleisung. Der Umgang der FDP mit dieser Entgleisung zeigt indes, dass es innerhalb der Partei kein Bewusstsein für den Umgang mit einem relevanten gesellschaftspolitischen Thema gibt. Ist ja vielleicht auch nicht das Anliegen dieser Partei. Dass eine Diskussion über ein solches Thema gleich als Kreuzzug bezeichnet werden sollte, leuchtet nicht ein. Es ist ebenfalls keine Zumutung aus frauenpolitischer Sicht, wenn Herr Brüderle weiter für seine Partei kandidiert. Man muss ihn ja nicht wählen. Aber dass er Immunität für seine Altherrenwitze eingeräumt bekommen sollte, scheint ein wenig weit gegriffen. Ich finde im übrigen das Foto, in dem sich Frau Leutheusser-Schnarrenberger ganz fürsorglich Herrn Brüderle zuneigt, wunderbar. Fehlt nur noch die Tasse warmer Tee. Gute Genesung dann.

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