All jenen, die meinen, man habe nicht wissen können, dass die jüdischen Nachbarn, die abgeholt wurden, ganze Familien, die in der Nacht auf Ladeflächen von Lastwagen fortgebracht wurden, mit dem Ziel ihrer Ermordung fortgebracht wurden, denen sei die Lektüre dieses Tagebuches eines vierzehnjährigen polnischen Mädchens, Rutka Laskier, empfohlen, ermordet 1943 in Auschwitz. Rutka Laskier führte ein Tagebuch, das erst 60 Jahre später bekannt wurde, ein Zeugnis der Zeit, aus dem unmissverständlich hervorgeht, dass dieses Mädchen, 14 Jahre alt, sehr genau wusste, welches Leid und Elend ihr zugedacht waren. Ich reblogge diesen Artikel aus dem exzellenten blog “Wortspiele” in Anknüpfung an die Diskussion darüber, mit welchen Zeitdokumenten der Holocaust an den Schulen unterrichtet werden sollte. Die vorgestellte Ausgabe enthält ein Nachwort von Miriam Pressler.
Und dennoch sehnt ihr nüchterner Verstand sich nach einer exotischen Diät, ihr Verstand, der alles ablehnt, was sich nicht rational begründen lässt, und der sich ihr selbst zum Trotz dennoch an allem freut, was Spiegelbild und Spiegelspiel ist, als habe er ein zweites Gesicht, eine geheime Leidenschaft. K weiß, dass der Großvater, entgegen seinem ostentativen Bekenntnis zu einem rein rationalen Weltbild, an derselben Krankheit gelitten hatte, die er bei ihr, K, immer wieder mit Sorge diagnostizierte: der Phantasie. Und er hatte, genau wie K, es verstanden, die Symptome dieser Krankheit durch ausgefallene Leidenschaften zu verschleiern: Das Königsberger Brücken Problem. Topologische Räume und ihre Objekte. Hilberts Hotel. Verschrieben hatte er ihr dieselbe Medizin, die er selbst einnahm. Strenge Regeln. Unaufhörliche Wachsamkeit. Unerbittliche Ordnung.
Ihr Verstand, der sie zugleich zwingt (und mit dem sie unbarmherzig von anderen verlangt), zu unterscheiden zwischen dem, was sicher und belegbar ist und dem, was als Spekulation bezeichnet werden muss, ihr Verstand, der diese Unterscheidung fordert und verteidigt, der weite Auslegungen zulässt, aber nur wenn die Grundmenge der Gemeinsamkeiten erhalten bleibt, beschäftigt sich quasi privat umso zwanghafter mit den rein spekulativen Spuren der geheimen Schrift. Der Schrift, die in die Welt geschrieben ist. Der Schrift der alltäglichen Dinge, die nur mit geteiltem Blick entziffert werden kann. Alles ist, was es ist, buchstabiert sich selbst in bildhafter Schrift und buchstabiert zugleich auch den Text, der hinter der Welt liegt. Eine Rose ist ein Rose ist keine Rose. Ein Fettfleck ist ein Fettfleck ist die Insel Upolu.
English: Defense counsel Robert Servatius (foreground) and chief prosecutor Gideon Hausner (standing) during the Eichmann Trial in Jerusalem. (Photo credit: Wikipedia)
An der Universität hatte K an einem Seminar zum Staatsschutzstrafrecht teilgenommen und den Großvater in ausführlichen Briefen über den Fortgang der Veranstaltung auf dem Laufenden gehalten. In dem Seminar erhitzte Debatten darüber, ob es denkbar sei, dass einer ganzen Generation von Menschen unter Umständen gehandelt hatte, die es ihnen unmöglich gemacht haben sollte, das Unrecht der eigenen Taten zu erkennen oder auch nur zu begreifen, dass sich der Staat, in dem sie lebten, und der Führer, dem sie auf Veranstaltungen bejubelten, einen Völkermord vorbereiteten, diesen gnadenlos ausführten und rechtfertigten. Katja hatte eingeworfen, dass bereits die Fragestellung an sich fragwürdig sei. Schließlich hatten jene, die verfolgt und ermordet worden waren, zu jener Generation von Deutschen gehört, der angeblich über Nacht das Unrechtsbewusstsein abhanden gekommen war. Als sei das Wissen der Verfolgten nicht identisch mit dem Wissen der Verfolger. Als habe es sich um zwei unterschiedliche Generationen gehandelt.
Bei einem Besucht hatte Katja hatte dem Großvater die am häufigsten vorgebrachten Argumente vorgetragen. Es gab jene, die sagten, dass der einzelne seine eigenen Vorstellungen von Recht und Unrecht immer nur an den bestehenden staatlichen Vorstellungen und Gesetzen bilden kann. Man könne es schließlich nicht jedem einzelnen zumuten, ständig die Gesetze in Frage zu stellen. Jemand hatte dagegen den Literaten Klaus Mann und sein scharfes Urteil über Gottfried Benn und die Nationalsozialisten ins Feld als Beispiel in die Diskussion eingeworfen. Klaus Mann habe Benn vorgeworfen, sich denjenen angebiedert zu haben, “deren Niveaulosigkeit absolut beispiellos in der europäischen Geschichte ist und vor deren moralischer Unreinheit sich die Welt in Abscheu abwendet.” Es sei, mit anderen Worten, offenbar möglich gewesen, sich ein unabhängiges Urteil über die Nationalsozialisten zu bilden. Andere hatten auch auf Dietrich Bonhoeffer und Sophie Scholl hingewiesen. Auf von Stauffenberg,
Der Großvater hatte ihr tatsächlich zugehört. Schließlich hatte er gesagt: “Das ist doch alles so lange her, Katja. Man muss ja auch mal vergessen können. Ich weiß nicht, warum sie Euch immer wieder dazu anhalten, die Vergangenheit aufzurühren. Das macht doch niemanden wieder lebendig. Aber so viel will ich Dir sagen. Ich stimme mit Deinem Professor überein. Hitler hat sich geirrt, das wissen wir jetzt. Was den Umgang mit den Juden anging. Es war unmenschlich und auch grausam, das war es. Auch wenn es sich nicht um Deutsche handelte. Es waren ja Kinder und Frauen dabei. ” Als Katja gefragt hatte, ob die Männer in den Konzentrationslagern weniger grausam zu Tode gekommen seien, war der Großvater abrupt aufgestanden und hatte das Zimmer verlassen. “Das brauche ich mir von Dir nicht anzuhören, Katja,” hatte er konstatiert. “Du bist doch nur ein junges Mädchen, davon verstehst Du doch gar nichts, das ist nicht Frauensache, über die Soldaten und Männer zu urteilen, die ihre Pflicht getan haben. Auch nicht, wenn Du jetzt Juristin wirst. Wir hatten schon die Nürnberger Prozesse. Und jetzt wollen wir endlich ein wenig Rechtsfrieden, das kannst Du auch mal nachlesen, was das heißt.” Ende der Diskussion.
Bis ans Ende seines Lebens war er der unerschütterlichen Überzeugung geblieben, dass „die Juden eben anders“ seien. Das liest sie auch mit dem Abstand der Jahre wieder einmal aus seinem Brief. Sie erinnert sich auch an andere Bemerkungen, mit denen er sie zu überzeugen suchte, dass er keine Vorurteile gegen Juden habe, dass er nichts “gegen Juden habe”: „Sie sind nun mal sehr viel intelligenter als wir, Katja, sie sind uns weit voraus. Sie sind halt ein altes Volk. Das darf man doch wohl so sagen. So ist es nun einmal. Man kann es ja sogar in der Bibel lesen.” Als Katja ihm vorgehalten habe, auch in dieser Äußerung zeige sich Rassimus (sie hatte feige gesagt: “in Äußerungen wie dieser”, nicht: “in Deiner Äußerung”), hatte er sie verzweifelt angeschrien: “Was willst Du denn eigentlich von mir, Katja? Was soll ich denn noch sagen?” Es war kein Verstehen zwischen zweien, die nicht einmal wussten, worüber sie eigentlich sprachen und zu welchem Ende und warum.
Als Hitler die Macht ergriff, war der Großvater 27 Jahre alt gewesen. Ist es möglich, hatte sich Katja gefragt, dass man als erwachsener Mann oder als erwachsene Frau so bereitwillig eine Ideologie verinnerlicht, dass sie einem zum zweiten Wesen wird? Dass man sie niemals mehr abstreifen kann? Oder war Deutschland nicht schon vor Hitler, vielleicht schon seit 1918, vielleicht schon vor 1914 bereit gewesen, sich in einen neuen Krieg zu stürzen, in einen Krieg von ganz neuen, ungeahnten Ausmaßen? Das industrielle Zeitalter wartete darauf, seine Waffen zu erproben.
Wie weit zurück reichte der Rassismus des Großvaters, wo waren seine Wurzeln, überlegt K. K muss in seinen Briefen erkennen, dass der Großvater bis ins hohe Alter versucht hatte, seine eigene Biografie mit dem Urteil der nachfolgenden Zeit, der Zeit seiner Kinder und Enkel, auszusöhnen, und dass er entgegen seiner eigenen Bemühung dennoch nicht in der Lage gewesen zu sein schien, zu beurteilen, worin das eigentliche Unrecht des Schreckensregimes, dem er gefolgt war, bestanden hatte, und welches seine Voraussetzungen gewesen waren. In dieser Hinsicht war ihr der Fall Eichmann, der Gegenstand ihrer Seminararbeit gewesen war, erschreckend vertraut vorgekommen.Sie glaubt nicht, dass der Großvater, den sie bei anderen Themen als gebildeten, artikulierten und selbstbewussten Mann erlebt hatte, mit der Machtergreifung Hitlers unreflektiert eine vorherige Identität abgelegt hatte, um sodann zu einem glühenden Anhänger Hitlers zu werden wie es auch gleichzeitig viele andere taten. Sie glaubt, dass die Ideologie Hitlers auf eine abwartende Haltung getroffen war, in der bereits die unbedingte Bereitschaft gelegen hatte, mit bitterer Konsequenz einen neuen Krieg zu führen. Sie glaubt, dass Hitler nur noch schlafende Hunde geweckt hatte.
When did we forget to spin the dream, when did our world cease to hold small promises of meaning and adventure, a life time of stories still to be told? How did we grow up to forget the sensual richness of the world, the intense pleasure we can find only in simple things and moments? When did we cease to live today in order to reach for a tomorrow that we never truly know will exist – and if it does, it comes only to be given up and traded in for yet another tomorrow until there is no tomorrow left? When did we start squandering our present moments for squalid projections of who we could be if only? When did we tire of that what we have , right here and right now, the word, the discovery of nothing and everything, the breath of boredom and adventure alike?
Mein Beitrag zu einer blog-Diskussion über die Lektüre des Tagebuches der Anne Frank im Schulunterricht:
Wer das Tagebuch von Anne Frank ausschließlich als verstörendes Beispiel für die Geschichte eines Opfers der Nationalsozialisten ansieht und es deshalb als unzumutbare Lektüre für Kinder im Schulunterricht ansieht, hat es wahrscheinlich nicht gelesen. Ja, das Buch kann sehr traurig machen. Aber die Lektüre verstört nicht. Sie verleiht einer dunklen Zeit ein menschliches Gesicht.
Es ist richtig, Anne Frank wurde von dem Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Kinder lesen die Aufzeichnungen Annes in dem Wissen, dass die Autorin niemals erwachsen werden durfte, dass Anne Frank in einer Zeit lebte, in welcher in Deutschland und den Ländern, die Deutschland besetzt hielt, selbst Kinder verfolgt und getötet wurden. Dennoch haben drei Generationen von jungen Menschen dieses Buch quasi als Gegengift zu der Verzweiflung gelesen, die mit dem Bewusstsein einhergehen kann, was Menschen einander antun können. Dies gilt insbesondere für Kinder in Deutschland, die begreifen, dass dies die Geschichte ihres eigenen Landes ist.
Anne starb in Bergen-Belsen an Typhus. Die Verhältnisse, unter denen sie eingesperrt und untergebracht worden war, machen ihren Tod zum Mord. In Annes Tagebuch lesen wir dennoch nicht von Hass und Vergeltungssucht, obwohl die Aufzeichnungen in dem klarem Verständnis der Gefahr geschrieben wurde, in dem die Autorin und ihre Familie in ihrem Versteck in Amsterdam leben mussten.
Wir werden vielmehr Zeuge, dass ein sehr junger, sehr begabter Mensch sich auch in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte die Liebe zum Leben und ihre Wünsche für ihre eigene Zukunft zu bewahren verstand. Wir lesen, dass ein junges Mädchen sich trotz höchster Not von einem Fleck Sternen besätem Nachthimmels, erspäht aus der Enge ihres Verstecks, verzaubern lassen konnte. Wir lesen von Lebensmut und Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Und das ist der Grund, warum dieses Tagebuch nach all diesen Jahren immer noch und immer wieder gelesen wird – und warum es eine geeignete Schullektüre ist.
Das Tagebuch der Anne Frank spricht davon, wer Menschen sein können, gerade auch junge Menschen. Es spricht davon, dass ein Mensch in den dunkelsten Tagen Liebe und der Hoffnung empfinden und sie auch an andere weiter geben kann. Wer an den Menschen verzweifelt, wer an der deutschen Geschichte verzweifelt, wende sich an dieses Buch. Es zeigt in klarer Sprache, dass wir die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.
Anne Frank, Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Victor Klemperer haben sie sich ihre menschliche Stimme, ihre Gefühle und Würde auch in der Verfolgung nicht nehmen lassen. Auch dies lässt sich aus der Geschichte Deutschlands lernen – auch dies ist Teil unserer Geschichte.
Dass einzelne Menschen, unter ihnen sehr junge Menschen wie Anne Frank und Sophie Scholl, nicht mit Hass sondern mit fragendem Verwundern auf diejenigen reagierten, die sie verfolgten, darf uns mit dem, was Menschen vermögen, versöhnen, auch wenn es uns auferlegt, dass wir uns mit diesem Teil unserer Geschichte niemals aussöhnen dürfen. Es war Finsternis in jener Zeit – aber es gab auch Licht. Dass uns gerade von denen, die verfolgt wurden, Stimmen der Menschlichkeit überliefert sind, zeigt uns und unseren Kindern einen Weg aus der Verzweiflung über unsere eigene Geschichte.
Unseren Kindern im Schulunterricht oder zu Hause das Tagebuch der Anne Frank zu geben, und es ihrer Stimme zu überlassen, zu beschreiben, wer wir als Menschen sind und wer wir sein können, ist für mich vor allem anderen nicht nur eine Geste der Bewunderung für den unfassbaren Mut, der in Anne Franks Worten klingt, einen Mut, den ich auch meinen eigenen Kindern und Schülerinnen und Schülern wünsche, mögen sie niemals solche Zeiten erleben, sondern auch eine späte Erfüllung von Annes Wunsch, eine ihrer Begabung entsprechende Schriftstellerin zu werden und nachfolgende Generationen zu berühren und zu beeinflussen.
Ich glaube, dass es nach der Lektüre von Anne Franks Tagebuch möglich ist, sich in Angesicht von Anne unerschütterlichem Lebensmut unserer Geschichte, der deutschen Geschichte, anzunehmen, auch dort, wo sie unerträglich ist, sie nicht zu verleugnen, sie weiter zum Gegenstand unserer Betrachtung zu machen. Sie nicht zu vergessen, die Menschen, die unter den Nationalsozialisten verfolgt wurden, nicht zu vergessen. Nicht zu wünschen, dass dieser Teil unserer Geschichte vergessen werde, nicht zuletzt auch, weil das hieße, das diese Menschen in Vergessenheit gerieten. Ich möchte glauben, dass dies möglich ist.
Mehr Mut als der, zu unserer Geschichte zu stehen, aus ihr zu lernen, ist von uns, den nachfolgenden Generation, derzeit nicht verlangt. Mut, in unserer Zeit zu wirken, zum Beispiel Verfolgte anderer Regime aufzunehmen, und ihnen eine Möglichkeit zum Neuanfang zu bieten. Sie nicht zurück zu schicken in das Elend, dem sie zu entkommen versuchen.
Das ist sehr wenig im Vergleich zu dem Mut, den ein Mädchen in Todesgefahr aufbrachte, um ihr Leben in einem Versteck in einem Hinterhaus weiter zu leben. Etwas von Annes Mut und Liebe und ihrem unerschütterlichem Glauben daran, dass das Leben ein Geschenk ist, sollte es uns erlauben, die ganze Geschichte Deutschlands, unsere Geschichte, gegenwärtig zu halten, sie auszuhalten und weiterzugeben – und zwar zusammen mit der Hoffnung, dass wir immer die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.
Anne Frank, Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer – sie waren nicht nur Licht in ihrer eigenen, sondern ein Vermächtnis auch an unsere Zeit.
Annes Tagebuch ist ein Geschenk, keine Bürde. Es gehört in den Schulunterricht. Es gehört zum kulturellen Erbe unserer Kinder.
when we talk about the art trove found at Gurlitt’s house, we also talk about these men, we also talk about the crime against humanity and to this day we, descendants of perpetrators, are committed and bound to the memory of the people who perished during the Holocaust, who were tortured and murdered in the concentration camps that our grandfathers built. we talk about these men and women and children as we talk about art works and the so called action “degenerate art” and about millions of dollars and legal and moral responsibilities.
To give an idea of the scale of the removal of designated “degenerate” art from german Museums and Institutions in 1937 Nazi Germany I’d like to refer to the MoMa web-site. It is interesting to know that the below mentioned auction of 125 works that were put up for auction in Lucerne in 1939 did not turn out nearly as profitable as Nazi Germany had hoped for as word had gotten about that profits would most likely fuel the German war machinery.
“By August 1937 the wide-scale confiscation of all works of art in museums designated ‘degenerate’ had already begun. According to records, a total of 15,997 works of fine art were confiscated from 101 German museums. This action was justified by the Law on the Confiscation of Products of Degenerate Art, passed belatedly on 31 May 1938. Works affected were those of classical modernity, works by artists of Jewish descent and works of social criticism. Only a few were retained and hidden through the brave manoeuvring of individual members of museum staff. The artists themselves, assuming they had not already left Germany, were forbidden to paint or exhibit. In addition to confiscation, destruction took place of murals and architectural monuments, among others. In May 1938 Goebbels instigated the establishment of the Kommission zur Verwertung der Beschlagnahmten Werke Entarteter Kunst. Confiscated works were stored in depots and from there sold to interested parties abroad (the Nazis hoped for a source of revenue for foreign currency, which was needed for the rearmament programme), and sometimes exchanged (Hermann Goering made exchanges with older works of art for his private collection). In 1939, 125 works were put up for auction in Lucerne, including works by van Gogh, Gauguin, Franz Marc, Macke, Klee, Kokoschka and Lehmbruck. The end of the Aktion entartete Kunst was signalled by the burning of 4829 art works in the courtyard of the Berlin Fire Brigade.
Heute hatte ich die Gelegenheit, mich als auf Kunstrecht spezialisierte Anwältin in einem Interview mit der online Redaktion des Magazins der Deutschen Anwaltauskunft des DAV zu dem Fall Cornelius Gurlitt, dem spektakulären Kunstfund in München-Schwabing, zu äußern. Neben den rein rechtlichen Erwägungen zu Fragen der Restitution, siehe: http://anwaltauskunft.de/magazin/gesellschaft/kultur-medien/158/das-thema-restitution-hat-weiter-bedeutung/, beschäftigt mich seit Tagen auch die komplizierte Biographie des Dr. Hildebrand Gurlitt. In Ergänzung des Interviews folgende, durchaus fragmentarische Anmerkungen:
Dr. Hildebrand Gurlitt, deutscher Kunsthistoriker, war einer aus der Liste handverlesener Kunsthändler und Auktionshäuser, die im Rahmen der von Herman Göring initiierten, der „Aktion Entartete Kunst“ folgenden „Verwertungsaktion“ mit dem Verkauf von Werken im Auftrag des Deutschen Reiches betraut worden waren. Die Komplexität auch der zu erwartenden Fragen nach der Provenienz der nunmehr zu beurteilenden Bilder aus dem Archiv des Sohnes Cornelius Gurlitt spiegelt sich in der Biographie des Vaters. Hildebrand Gurlitt selbst hatte als Leiter des König-Albert Museums in Zwickau zwischen 1925 und 1930 aktiv und fortschrittlich das Bauhaus und zeitgenössische Kunst gefördert.
Deutsch: Fanny Lewald (Photo credit: Wikipedia)
In Folge hatte er wegen seiner progressiven Einstellung als auch wegen des Umstandes, dass er jüdische Vorfahren hatte, unter anderem mit der jüdischen Schriftstellerin Fanny Lewald (1811-1889) verwandt war, seine Position als Leiter in Zwickau als auch in der Folge als Leiter des Kunstvereins Hamburg verloren, bevor er sich dem Kunsthandel zugewandt hatte. Viele der Bilder, die in der Schwabinger Wohnung gefunden wurden, könnten zu den Dr. Hildebrand Gurlitt zur „Verwertung“ übergebenen Bildern aus öffentlichen Sammlungen gehören.
Allerdings sind in den Presseberichten der letzten Tagen weitere Namen von Sammlern und Titel von Bildern bekannt geworden, die auf eine andere Provenienz, nämlich auf Raubkunst, verweisen und daher eine ganz anderen, verschärften Ansatzpunkt zur rechtliche Beurteilung von Notverkäufen und “Besitzaufgabe” geben: Bestätigt wurde etwa, dass Cornelius Gurlitt mit dem Bild „Löwenbändiger“ von Max Beckmann zumindest eine Arbeit aus der Liquidierungsmasse der Alfred Flechtheim GmbH im Jahr 1933 veräußert hat.
Alfred Flechtheim (Photo credit: Wikipedia)
Dem Avantgarde-Kunsthändler Alfred Flechtheim war 1933 die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste verwehrt worden, effektiv ein Berufsverbot, das den bekannten Kunsthändler in die Emigration trieb. Ebenfalls erwähnt wurden die Sammlers und Kunsthändlers Max Stern, der 1937 unter Liquidierung seiner Sammlung aus Deutschland emigrierte (siehe auch das Max Stern Art Restitution Project), und des Sammlers und Galeristen Paul Rosenberg, der vor dem Einmarsch der deutschen Truppen nach Spanien fliehen musste und seine Sammlung des Impressionismus und der Moderne zurückließ (vergleiche mit dem biographischen Bericht der Enkelin Rosenbergs, Anne Sinclair: deutsche Übersetzung: Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine. Mein Großvater, der Kunsthändler Paul Rosenberg, Kunstmann, München, 2013, ISBN 978-3-88897-820-3 zitiert nach wikipedia).
Was sich in diesen knappen Ausführungen nur andeuten mag: die tatsächlichen betäubend paradoxen, barbarischen Umstände der Zeit, wie sie sich unter anderem in der Biographie dieses Mannes, Dr. Hildebrand Gurlitt, spiegelt. Dr. Hildebrand Gurlitt, dessen Expertise als Insider für Avantgardekunst dazu führte, dass er von eben jenem Regime, das für den Verlust der seinen akademischen Verdiensten entsprechenden Positionen verantwortlich war, mit der “Verwertung”, das heißt dem Verkauf von Werken der Art und Qualität betraut wurde, die er während seiner Zwickauer Zeit aktiv gefördert und für eine öffentliche Sammlung angekauft hatte. Nur angedeutet werden in derartigen Ausführungen die dramatischen Umstände, unter denen verfolgte Künstlerinnen und Künstler, Sammler und Kunsthändler sich von manchen jener Kunstwerke trennten, die sich wahrscheinlich nun auch in der Sammlung der sichergestellten Kunstobjekte des inzwischen betagtem Sohnes Cornelius Gurlitt befinden. Das ist keine historisierende Fantasie. Die Provenienz, die manches dieser Bild tragen wird, darf getrost und nüchtern als blutig bezeichnet werden. Nicht von ungefähr wurde der systematische Entzug jüdischer Vermögenswerte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach der Alliierten (Londoner) Erklärung ausgewiesen, dies in Übereinstimmung mit der Haager Landkriegsordnung von 1907, der Grundlage des humanitären Völkerrechts.
Der Schwindel erregende Schätzungswert der Bilder, die in der Wohnung von Cornelius Gurlitt sichergestellt wurden, gewährt Einblick in den oftmals nur als impliziert verstandenen und kommunizierten Kontext jeglicher Diskussion über Restitution, einen Aspekt, der jegliche Verhandlung über Restitution zwangsweise beeinflussen wird, jenen der unfassbaren Wertsteigerung der Bilder heute als Haushaltsnamen bekannter Künstler der klassischen Moderne. Dabei lässt sich leicht vergessen, dass der im Zentrum des Restitutionsanspruches nicht das Bild, sondern das gegen seinen ursprünglichen rechtmäßigen Eigentümer verübte Verbrechen ist.
Das Max Stern Art Restitution Project formuliert exemplarisch, worum es im Zentrum bei dem Thema Restitution von sogenannter Raubkunst gehen sollte http://www.concordia.ca/arts/max-stern.html:
“As more details surfaced about this dark episode of Dr. Stern’s life in Nazi Germany and the circumstances that ultimately brought him to Canada during the Second World War, it was learned that he sought restitution of art works from his private collection seized by the Gestapo. While he had some success in recovering a few pieces, the majority of his property was never returned.
Committed to continuing where he had left off, the executors and university beneficiaries established The Max Stern Art Restitution Project. Knowing very well that this initiative would not be without its hurdles, it was agreed that the moral and financial imperatives underlining this cause were worth pursuing as long as necessary.
We hope that this website will be used both as a resource and an example for those government agencies, educational institutions, museums, collectors and members of the art trade who are committed to resolving the injustices caused by Nazi cultural policies.”
Restitution allein als die Wiederherstellung von als in Angesicht des Verlustgrundes ethisch verträglicher Eigentumsverhältnisse zu betrachten, greift entschieden zu kurz. Zu kurz greift letztlich auch die Washingtoner Erklärung von 1998 und die Handreichung zur Selbstverpflichtung der Bundesrepublik Deutschland.
Wiederherzustellen ist letztlich, wie die Erben Max Sterns es formulieren, der Zustand von Gerechtigkeit durch Anerkennung und Annullierung oder Rückgängigmachung der Umstände, die Verfolgten des Naziregimes widerfuhr. Das dies nur bedingt gelingen kann, liegt in der Natur des Verbrechens, entbindet aber nicht von einer ethischen Verpflichtung, es dort, wo es möglich scheint, auch zu unternehmen.
Es steht den Erben Sterns an, eine solche Gerechtigkeit, bis zur einer erschöpfenden Aufklärung der unter dem NS Regime erlittenen Verfolgung – einschließlich der Enteignung von Bildern – zu fordern. Es steht uns als beurteilenden Gutachtern der Rechtslage gut an, nicht zu vergessen, dass es immer noch um die Wiedergutmachung erlittenen, unsäglichen Unrechts geht.
In my work I feel inspired by artists like Jim Henson, Maurice Sendak, Edvard Gorey, Tatjana Hauptmann, William Steig and Uri Shulevitz who are often underrated in their artistic merit due to the fact that they have published work for children. The archetypical quality of a simple story or image can be very powerful. More recently I have come to greatly admiring the work of German artists Albert Schindehütte (Hamburg) and Einar Turkowski (Kiel). Both of these artists also chose to illustrate what one could see as children’s books but I suspect their work is being cherished by children as well as by artists and people who love art. Their illustrations hold an inexhaustible, dependable pleasure for me.