Page 9 of 41

In short: The Who is the What

FotoNach dem Studium der Rechtswissenschaften an der FU Berlin, unter anderem in Prof. Dr. Uwe Wesels rechtsgeschichtlichem Seminar, und einer Studienzeit “Freies Bühnenbild und Malerei” mit dem belgischen Maler Roger Servais in Berlin, habe ich nach dem zweiten juristischen Staatsexamen in München, Atlanta, und annähernd vierzehn Jahre in New York City gelebt und gearbeitet.

Seit meiner Rückkehr aus den USA arbeite ich als niedergelassene Rechtsanwältin und weiterhin auch als Künstlerin in Norddeutschland. Der tägliche Umgang mit Mandanten, Anwälten, Behörden und Gerichten ebenso wie meine nebenberufliche Arbeit mit Schülern und Schülerinnen bieten eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für meine Kunst.

Aufklärung über Recht insbesondere auch junger Menschen sind integrativer Teil meiner künstlerischen Arbeit und zeigen sich exemplarisch in dem seit vielen Jahren andauernden Projekt “Kinderrechte sichtbar machen”, einer Verbindung von künstlerischen und juristischen Inhalten, welches sich auch in der neuen Ausstellung MONSTER.KUNST.KINDER.RECHTE im Landtag Kiel darstellt. Kunst wird in diesen Arbeiten als Dialog und als Vision mit dem Ziel der Gestaltung gesellschaftlicher Realität verstanden.

Studied law at the Free University in Berlin after graduating high school in Kiel. Was greatly influenced by the history of law seminar of Prof. Dr. Uwe Wesel. Studied painting and stage design with the Belgium painter Roger Servais. Then moved to Munich, New York, Atlanta and back to the New York area. Lived and worked in the US for fourteen years.

Upon return to Germany I started working as a lawyer again. I continue my work as an artist and as a lawyer and I dedicate time to teaching law and art to people, mostly kids. Everyday experience with clients, attorneys, courts as well as with students is a never failing source of inspiration for my work.

Teaching legal aspects of daily life to kids is part of my work as an artist. My project „Kids are people“ (Circus Utopia Art Press) has combined a living learning environment for art as well as for law for many years. Art in this work is but a way to communicate the need to create just human environments.

Die Bibliothek der Schatten

Inger-Kristina Wegener's avatarNachtwachen

Signature of James Joyce from Ulysses, 1936 Bo...

Signature of James Joyce from Ulysses, 1936 Bodley Head Edition, Copy #3 of 100 (Photo credit: Wikipedia)

Der Urgroßvater hatte sein gesamtes Leben in Schleswig-Holstein verbracht, dennoch war er nach den Darstellungen seines Sohnes des Englischen auf eine Weise mächtig gewesen, die es ihm erlaubt haben musste, Joyce im Original zu lesen. Mit Bedauern empfindet K ihre jugendliche Ignoranz. Sie hatte immer nur ungeduldig darauf gewartet, dass die Geschichte, die der Großvater ihr wieder und wieder erzählte, ein Ende haben möge, so dass sie sich wieder ihrem eigenen Buch widmen konnte. Außerdem war es K von Kindheit an selbstverständlich gewesen, dass Wissen einfach durch beharrliches Interesse erworben wird.

Sie hatte es niemals in Frage gestellt, dass ein Dorflehrer sich in seinem Studierzimmer ganz seinem Interesse an zeitgenössischer Literatur widmen konnte, weil sie auch ihren Großvater in fortwährender Beschäftigung mit Ideen und Wissen erlebt hatte, die ihren Ursprung ausschließlich in seiner…

View original post 667 more words

artist and lawyer – how does that work?

reblogged from february because I am still being asked:

FotoWhile I travel between two very different worlds, one might just as well say, universes, between the paper world of the lawyer backed up by the many stories and needs of my clients, as different from one another as one can imagine, and the turpentine world of art, the stark smells, the mess, the need to tangle that which has just before been neatly ordered, backed up only by my own perception of the beauty of randomness, my need to stretch beyond the confines of an individual biography and yet of course always landing face first back in, well if not in the mud then at least in a bucket of paint like any other clown in business,

while I travel between these worlds I feel entirely grateful that for some random reason I have been given the gift of intense pleasure in all these fragments that might never amount to much, not make a front page but at any time give me a sense of wonder and awe of the wild twists and turns. How I wish you would, too, I mean, take intense pleasure in what is, not fear how much or how little there is to come. Take the deep breath and dare to live this imperfect, strange, angst-ridden, beautiful, funny, short, long, light, dark thing called a life. How I wish you’d get to be just you, not judge yourself nor let yourself be judged by others while you lay down, if only for a moment, the burden of your insight.

Here’s to the wild twists and turns, my friend, to moments of desperation followed by sudden outburst of unfounded optimism, to the great calm between the days of discontent and the fractured mirror of contentedness reflecting the light of other possible worlds.

Taschenspielerzaubertrick

FotoDas Fenster liegt beinahe ebenerdig zum Hof. Graugelbes Großstadtlicht lässt die Nacht müde erscheinen. In den Ecken der Wellblechschuppen, die den Hof säumen, sammelt sich Dunkelheit wie ein Rest schwarzer Tinte im Glas. Über dem Flickwerk ihrer mit Eternitplatten gedeckten Dächer erheben sich die Häuser der umliegenden Wohnblocks abgebrochen und vereinzelt wie kariöse Zähne. Eine Korrekturspange aus einem halben Meter Teppichstange zeichnet sich in den Nachthimmel.
Wie erwartet erspäht Katja die vertraute Silhouette der Urgroßmutter, die wie jede Nacht auf dem Fahrradschuppen sitzt und darauf wartet, Katja ihren einzigen Trick vorzuführen. Katja winkt lebhaft hinüber. Daraufhin verstaut die Urgroßmutter die Blumentöpfe mit den nachtgrauen Geranien, sechs immergraue Mülltonnen, zwei Fahrräder und eine Kohlenschaufel in ihrer grundlosen Tasche. Dann grinst sie in Richtung des Küchenfensters und holt alles wieder hervor, Blumentöpfe, Schaufel, zwei Fahrräder, Mülltonnen, und stellt sie ordentlich in den Hof zurück. Das Kind nickt anerkennend. Die Urgroßmutter entblößt ihr loses Gebiss wie ein wilder Affe und grinst zurück. Dann, eine Variation ihres alten Tricks, taucht sie selbst kopfüber in Tasche und verstaut sich ordentlich. Zuletzt sind nur noch ihre zappelnden Beine mit den Füssen in den klobigen orthopädischen Schuhen zu sehen. Mit einer kraftvollen Schwimmbewegung verschwindet die Urgroßmutter schließlich ganz in dem Schlund der schwarzen Tasche, wobei sie ihren rechten Schuh verliert, der über das Eternitdach rollt und in den Hof fällt. Dann klappt die Tasche zu und verschwindet selbst in der Nacht. Katja gähnt. Ihre Füße werden kalt.

Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht

ImageIch erinnere. Ich träume. Ich erinnere. In einer fernen Stadt, einem fernen Kontinent träumte ich von einem längst verblühten Garten in Deutschland. “Die Veilchen nickten sanft, es war ein Traum.” Und von dem Gärtner, der diesen Garten mit Bauernhänden bewirtschaftete wie ein Feld.

Ich erinnere. Seine Hände, muskulöse, braun gefleckte Altershände, die Form dieser Hände, ihre erdschwere Stofflichkeit, ihren festen Griff, dem meine eigenen Hände kaum Kraft entgegenzusetzen haben. Ich erinnere eine unbeholfene, steife Umarmung, seine gedrungene Gestalt unter rauem Tweed, den von Zweifeln unberührten Klang seiner Stimme. Und einen Garten, seinen Garten.

Von Zeit zu Zeit träume ich von diesem Garten, in dem mein Bewusstsein sich entfaltet hatte wie fadiges Unkraut, träume von sauber geharkten Kieswegen, dem blank gescheuertem Betonboden der Terrasse, auf dem Ameisen in der Mittagsonne militärische Exerzitien halten, träume von der gnadenlosen Ordnung, die mein Großvater der Fülle des Sommers Jahr um Jahr abtrotzte, träume von mit Paketschnur abgesteckten Beeten, in denen er Gemüse und Blumen in geometrischer Ausrichtung hielt, sich Tag für Tag mit muskulösem Rundrücken hinabbeugend, um jedes zarte Blättchen keimenden Unkrauts unfehlbar auszureißen, sehe in Form gestochene Rasenflächen, kurz rasiert wie die Köpfe von Rekruten, giftgrüne Nylonnetze über Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen, Stachel- und Johannisbeerbüschen, Erdbeerreihen und Himbeerranken.

Höre die genussvolle Litanei botanischer Ordnungsbegriffe, assoziiert mit flüchtigen Bildern. Solanum tuberosum, die Kartoffel, vier zartspinstige, weiße Blütenblätter, violettgesprenkelt wie die Triebe der gelagerten Knolle; Brassica oleracea var. capitata, der Weißkohl, im Wind tanzende, gelbe Bechersterne; Daucus carota, die Möhre, schäumend wie die Gischt der Schafgarbe in den Sommerwiesen; Cucumis sativus, die Gurke, sechsblättrig geteilter, weißer Schleier über fruchtig grünem Grund.

Bete ihm lautlos nach, dass Apfel (Malus communis pumila) Birne (Pyrus), Pflaume oder Zwetschke (Prunus domestica), Aprikose (Prunus armeniaca), die im nördlichen Klima nicht gedeihen wollte, Kirsche (Prunus avium), Erdbeere (Fragaria ananassa), Himbeere (Rubus idäus) und Brombeere (Rubus) allesamt Rosengewächse (rosaceä) seien.

Zierrosen, in Reih und Glied entlang des Rasens gepflanzt, liebte er als Sinnbild dieser üppigen und doch kultivierten Fruchtbarkeit, während er die Blumenbeete im Übrigen der Pflege meiner Großmutter anempfahl, der Blumengarten – Frauensache, nur hier und dort eine Korrektur, eine Rüge, ein schneller Schnitt.

Mit seinen Rosen sprach er, schmeichelte und schimpfte, streifte Maden einzeln von ihren Blättern und ertränkte sie in einem Eimer Laugenwasser. Drohte Frost, hüllte er jeden Rosenstrauch vorsichtig, bedacht, keinen Trieb, keine späte Knospe zu knicken, in Sackleinen, schüttete Torf und Schredderspäne an, kontrollierte jeden Morgen sorgenvoll, ob sie die Nacht gut überstanden hätten. Sein äußerstes an Zärtlichkeit gegenüber einem Geschöpf.

Mit annähernd religiöser Ehrfurcht war er seinen Rosen verbunden, das war selbst für ein Kind ersichtlich. Und doch war seine Liebe nicht von einfacher, tröstender Art, war sie nicht großmütig und mild, sondern streng, nicht annehmend, sondern fordernd. Niemals war es einer Rose erlaubt, in den Sträuchern zu überblühen, Rosenblätter, die sich aus den Blüten gelöst hatten, las mein Großvater täglich einzeln aus den Beeten. Aber auch Blüten, die nicht die gewünschte Größe erreichten, die den Augen meines Großvaters in irgendeiner Weise makelhaft erschienen, sei es durch fehlende Symmetrie, ein welkes Blütenblatt, unerwünschte Färbung, wurden abgeschnitten. Die welken Rosen, Rosenblätter und Zweige mischte er in einen gesonderten Komposthaufen, gemeinsam mit Apfelschalen und anderen Obstabfällen aus der Küche meiner Großmutter sowie dem Herbstlaub der Obstbäume. Die nährstoffreiche Erde, die er so produzierte, wurde im Frühjahr wieder in die Rosenbeete verteilt.

Was mein Großvater anstrebte, war nichts Geringeres als Perfektion. Er nannte es auch “Reinheit”. Seine Rosen glichen den Abbildungen in den Gartenkatalogen, in denen er im Winter blätterte. Ich besitze eine alte Fotographie aus den siebziger Jahren, in nunmehr vergilbten Kodakfarben, auf der eine einzelne Rose zu sehen ist, die in ihrer formalen Symmetrie beinahe unwirklich scheint. Die sommerliche Wildheit von Heckenrosen oder die lieblichen Zerstreutheit einer Bauernrose sprachen nicht zu meinem Großvater. Schönheit war für ihn gleichbedeutend mit Ordnung, alles musste von Ordnung durchdrungen sein, einer unbarmherzigen, unabwendbaren Ordnung, die es aufzudecken oder herzustellen galt. Seine Ordnung. Seine Ordnung. Ein unaufhörliches Mahlwerk.

autocorrect

IMGP1041When she was ready to write, the first word that presented itself was: nocolor. Autocorrect corrected it three times over. Autocorrect wrote: “No color”. The word as it needed to be was: nocolor. She knew what it meant. It was a good word to start with. She could see that autocorrect was struggling with the concept. She took a piece of transparent drawing paper o and instead of typing she drew the word with a radiograph pen, 0,35 mm: nocolor. The paper endured the non mistake.

Autocorrect was a mediocre little man in a grey woolen suit. She knew him. Raymond Chandler had known him, too. Common sense, autocorrect, is the little grey man who never makes a mistake in addition. But it is always someone else’s money he is adding up. Oh, I have met the little man in the grey suit many times over. Here he lingers. I am sure autocorrect wears a grey suit, but I know better than to pay attention to him. nocolor is a good word to start writing about the exits that are not accounted for. the little grey man wouldn’t know them if he stood facing one. He would insist there was no door. And he’d be right there is no door. Only there is.

Alternative pathways to the primary visual cortex

impeached kingHe turned around and looked in my direction, his dark glasses reflecting the library lights like distant stars. Then he smiled. Automatically I smiled back at him, but then I remembered that he was blind, and my smile froze. I was frantically searching to find an appropriate opening sentence in my vacant mind. He held his smile still as he was addressing me. “I think we have a mutual friend, Ms. Clarice,” he said kindly, not commenting on my rude behavior. I was now searching for his eyes behind the dark shades and instead encountered my own mirror image, small like a doll. “I am sorry,” I finally stammered, addressing the little doll more than the man, “I am really sorry, but how do you know who I am?” I was still being rude, I realized. The small person reflected in the distant mirror of his glasses I had taken for my own reflection made an unexpected move that startled me even more if that was possible. She took a mocking bow towards me and disappeared into one of the bright reflections of the lights above. “Things are not what they seem, Ms.” responded the old man, why don’t we sit down somewhere so you can ask your questions. My name is Dr. Aaron Hausner. And who might you be?”

Dr. Hausner dedicated a long time to me. He was soft-spoken and had an uncanny ability to predict my next question – yet, at the same time he did not once directly answer any one of my articulated questions. After we had occupied a spot in a somewhat secluded corner of the library – he had been leading the way without ever hesitating – he had again turned directly towards me and had started speaking with a soft voice. “The route from eye through the primary visual cortex the is not the only visual pathway into the cortex. Other pathways exist that bypass the primary visual cortex. A blind man like me can learn to trust those pathways though they do not stimulate a sense of optical vision. I do know whether there is an object in my way, approximately which size it occupies and whether it is mobile or fixed in place, of organic or inorganic nature. I also know whether a person directly faces me or wether I face a person and whether this person smiles at me. Scientifically this phenomenon is called blindsight.“ I felt like a fool. He answered. “Don’t feel bad, most people feel inhibited when they first address an apparently blind person. And to be honest, not all blind people know about this phenomenon either, though most blind people I have talked to could relate experiences that strongly point towards their ability to process some visual information even though not in the way they expect.” I was stunned. We were silent for a moment. Finally I found my voice: “My mother is an artist. She draws objects as an intricate net of lines, and though the object is not directly represented through these lines, with a bit of patience one can usually tell what the drawing is about. I mean, you can see the object though you clearly can’t.” I drew a deep breath. Dr. Hausner seemed to listen but he didn’t come up with a typical grown-up response like: How interesting of you to point out the similarities between an artist’s perception and a blind person’s perception.

Das Möbiusband

Screenshot 2014-04-11 15.30.33K fährt vorsichtig mit der Spitze ihres Zeigefingers an der goldenen Schlinge entlang. Der Anhänger ist das kunstvolle Modell eines Möbiusbandes, ein mathematisches Fingerspiel. Ihr Großvater, Nicolai Rieper, hatte es für seine Frau anfertigen lassen, lange vor Ks Geburt. Es hat nur eine Oberfläche und eine Kante, an der Ks Zeigefinger endlos entlang reisen könnte, um das Band vollständig auf seinen verlorenen Glanz zu polieren, in fließendem Wechsel zwischen Vor- und Rückseite, ohne jemals den Finger anzuheben. Ein mathematisches Spiel, Großvaters Leidenschaft, das Geschenk eines Mannes, der keinen Sinn für nutzlose Objekte besaß.

Es ist passend, dass sich das Möbiusband jetzt in Ks Händen befindet, nicht nur wegen der Faszination, die sie als Kind für diesen Anhänger und seine Geschichte aufgebracht hat. Wie K hatte der Mathematiker Möbius, Pionier der Topologie, zunächst Rechtswissenschaften studiert, bevor er sich seiner eigentlichen Berufung, der Mathematik, zugewandt hatte.

Dem Großvater waren über Ks Jurastudium graue Haare gewachsen, weil er zutreffend vermutete, dass K mehr Zeit in den Kunstsammlungen in Dahlem, in diversen Zeichenkursen und in kunstgeschichtlichen Vorlesungen zubrachte als in den Hörsälen ihrer eigenen Fakultät. Dass K schließlich doch ihre Staatsexamina ablegte, hatte er nicht mehr erlebt. Dennoch war das Möbiusband nicht zuletzt auch Symbol dessen, was er sich für K gewünscht hatte: die Aneignung einer Welt, die rational, vorhersehbar und regelgerecht war. Wobei er unter Regeln nicht die unabwendbaren Gesetze von Natur und Wissenschaft verstand, sondern die Ordnung des Gesetzes, in der sich die ideale Gesellschaft spiegelte. Das es K vor seiner Ordnung graute, war ihm nie in den Sinn gekommen. „Das bist Du Deinem Verstand schuldig, mein Kind“ hatte er ihr mehrfach vorgehalten, „Malen,“ hatte er verächtlich hinzugefügt „das können andere besser.“