reblogged from february because I am still being asked:
While I travel between two very different worlds, one might just as well say, universes, between the paper world of the lawyer backed up by the many stories and needs of my clients, as different from one another as one can imagine, and the turpentine world of art, the stark smells, the mess, the need to tangle that which has just before been neatly ordered, backed up only by my own perception of the beauty of randomness, my need to stretch beyond the confines of an individual biography and yet of course always landing face first back in, well if not in the mud then at least in a bucket of paint like any other clown in business,
while I travel between these worlds I feel entirely grateful that for some random reason I have been given the gift of intense pleasure in all these fragments that might never amount to much, not make a front page but at any time give me a sense of wonder and awe of the wild twists and turns. How I wish you would, too, I mean, take intense pleasure in what is, not fear how much or how little there is to come. Take the deep breath and dare to live this imperfect, strange, angst-ridden, beautiful, funny, short, long, light, dark thing called a life. How I wish you’d get to be just you, not judge yourself nor let yourself be judged by others while you lay down, if only for a moment, the burden of your insight.
Here’s to the wild twists and turns, my friend, to moments of desperation followed by sudden outburst of unfounded optimism, to the great calm between the days of discontent and the fractured mirror of contentedness reflecting the light of other possible worlds.
Das Fenster liegt beinahe ebenerdig zum Hof. Graugelbes Großstadtlicht lässt die Nacht müde erscheinen. In den Ecken der Wellblechschuppen, die den Hof säumen, sammelt sich Dunkelheit wie ein Rest schwarzer Tinte im Glas. Über dem Flickwerk ihrer mit Eternitplatten gedeckten Dächer erheben sich die Häuser der umliegenden Wohnblocks abgebrochen und vereinzelt wie kariöse Zähne. Eine Korrekturspange aus einem halben Meter Teppichstange zeichnet sich in den Nachthimmel. Wie erwartet erspäht Katja die vertraute Silhouette der Urgroßmutter, die wie jede Nacht auf dem Fahrradschuppen sitzt und darauf wartet, Katja ihren einzigen Trick vorzuführen. Katja winkt lebhaft hinüber. Daraufhin verstaut die Urgroßmutter die Blumentöpfe mit den nachtgrauen Geranien, sechs immergraue Mülltonnen, zwei Fahrräder und eine Kohlenschaufel in ihrer grundlosen Tasche. Dann grinst sie in Richtung des Küchenfensters und holt alles wieder hervor, Blumentöpfe, Schaufel, zwei Fahrräder, Mülltonnen, und stellt sie ordentlich in den Hof zurück. Das Kind nickt anerkennend. Die Urgroßmutter entblößt ihr loses Gebiss wie ein wilder Affe und grinst zurück. Dann, eine Variation ihres alten Tricks, taucht sie selbst kopfüber in Tasche und verstaut sich ordentlich. Zuletzt sind nur noch ihre zappelnden Beine mit den Füssen in den klobigen orthopädischen Schuhen zu sehen. Mit einer kraftvollen Schwimmbewegung verschwindet die Urgroßmutter schließlich ganz in dem Schlund der schwarzen Tasche, wobei sie ihren rechten Schuh verliert, der über das Eternitdach rollt und in den Hof fällt. Dann klappt die Tasche zu und verschwindet selbst in der Nacht. Katja gähnt. Ihre Füße werden kalt.
Heute hatte ich die Gelegenheit, mich als auf Kunstrecht spezialisierte Anwältin in einem Interview mit der online Redaktion des Magazins der Deutschen Anwaltauskunft des DAV zu dem Fall Cornelius Gurlitt, dem spektakulären Kunstfund in München-Schwabing, zu äußern. Neben den rein rechtlichen Erwägungen zu Fragen der Restitution, siehe: http://anwaltauskunft.de/magazin/gesellschaft/kultur-medien/158/das-thema-restitution-hat-weiter-bedeutung/, beschäftigt mich seit Tagen auch die komplizierte Biographie des Dr. Hildebrand Gurlitt. In Ergänzung des Interviews folgende, durchaus fragmentarische Anmerkungen:
Dr. Hildebrand Gurlitt, deutscher Kunsthistoriker, war einer aus der Liste handverlesener Kunsthändler und Auktionshäuser, die im Rahmen der von Herman Göring initiierten, der „Aktion Entartete Kunst“ folgenden „Verwertungsaktion“ mit dem Verkauf von Werken im Auftrag des Deutschen Reiches betraut worden waren. Die Komplexität auch der zu erwartenden Fragen nach der Provenienz der nunmehr zu beurteilenden Bilder aus dem Archiv des Sohnes Cornelius Gurlitt spiegelt sich in der Biographie des Vaters. Hildebrand Gurlitt selbst hatte als Leiter des König-Albert Museums in Zwickau…
wearily, the king inspected his ragged group of counselors, the budget long since exhausted, the tin soldiers melted, the castle but a shack with weeds growing through the cracks, human miscellaneous mistakes, crooked timber all of his entourage, and yet there was a light in their eyes that the glorious days had not known, and he was glad he had taken their erroneous advice.he pointed out the fine detail of the scratched figures in the rock, the fish, the symbol of the ancient ones, which so far seemed to have gone unnoticed by his advisers whereas thibeas concluded that their travels had lead them along the old path which they had wandered unwittingly, their tired feet drudging over the worn out stones like so many tired feet before them. wonderingly now they looked back and saw indeed that the smooth surface over which they had come bore the polished colors…
Ein Kunstbuch von Jón Thor Gíslason und Ylma Ürmeny
Was im Jahr 2000 bereits einmal als Künstlermappe in 13 Exemplaren aufgelegt (und schnell vergriffen) war, ist nun – wenige Wochen vor der Kölner Ausstellung des Isländers Jón Thor Gíslason am 7. Februar im Kultursalon Freiraum – als Kunstbuch im Druck erschienen.
In einer Auflage von diesmal 100 Exemplaren hat der Labonde-Verlag die zehn Kaltnadelradierungen des Künstlers und die Texte gleicher Anzahl seiner Frau Ilma Reißner-Gíslason, die eingedenk ihrer familiären Wurzeln als Lyrikerin unter dem Namen Ylma Ürmeny publiziert, in der seinerzeitigen Originalfolge reproduziert. Jedem der 100 nummerierten und von den Künstlern signierten Exemplare liegt zudem eine Original-Kaltnadelradierung von Jón Thor Gíslason aus dem Jahr 2013 bei.
Die zunächst unabhängig voneinander geschaffenen Radierungen und Texte haben gemein, dass sie um Motive aus Kindheiten kreisen – die Sujets der Grafiken sind Darstellungen von Kindern selbst; die Gedichte geben in unprätentiösem Ton und…
English: Butter making woman Français : femme, faisant du beurre Deutsch: Frau Butter stampfend (Photo credit: Wikipedia)
Alternative approaches to teaching ART
Joseph Beuys and the use of butter and animal fat in his work
This is a journal entry describing an indirect approach to the question if a certain object as later illustrated by Joseph Beuys “fat corner” is or is not art. Rather than to start by discussing what art might be, I took two sticks of butter and a box to a class of fifth graders. I opened the butter and started squishing it between my hands without explaining what I was doing and why I was doing it. The butter was slightly softened and was growing softer still through handling and it had good sculptural properties. As I worked air into it, it produced disgusting sounds. I walked around the room, talking about art in general,never referring to my activity, still working the butter between my hands. The kids were intrigued, their reaction ranged from mere disgust to laughter, on which i did not comment, but after a while they started to be fascinated by their own responses to the demonstration, how emotional, shocking, entertaining this seemed to them – and why, and so they talked about that. in the end I sculpted the butter into a corner of the box. I picked the box up and presented it to them like a diorama. then I asked: is it art?
Out of 21 kids, based on their own experience of the performance, 19 judged it to be art.”
All jenen, die meinen, man habe nicht wissen können, dass die jüdischen Nachbarn, die abgeholt wurden, ganze Familien, die in der Nacht auf Ladeflächen von Lastwagen fortgebracht wurden, mit dem Ziel ihrer Ermordung fortgebracht wurden, denen sei die Lektüre dieses Tagebuches eines vierzehnjährigen polnischen Mädchens, Rutka Laskier, empfohlen, ermordet 1943 in Auschwitz. Rutka Laskier führte ein Tagebuch, das erst 60 Jahre später bekannt wurde, ein Zeugnis der Zeit, aus dem unmissverständlich hervorgeht, dass dieses Mädchen, 14 Jahre alt, sehr genau wusste, welches Leid und Elend ihr zugedacht waren. Ich reblogge diesen Artikel aus dem exzellenten blog “Wortspiele” in Anknüpfung an die Diskussion darüber, mit welchen Zeitdokumenten der Holocaust an den Schulen unterrichtet werden sollte. Die vorgestellte Ausgabe enthält ein Nachwort von Miriam Pressler.
Mein Beitrag zu einer blog-Diskussion über die Lektüre des Tagebuches der Anne Frank im Schulunterricht:
Wer das Tagebuch von Anne Frank ausschließlich als verstörendes Beispiel für die Geschichte eines Opfers der Nationalsozialisten ansieht und es deshalb als unzumutbare Lektüre für Kinder im Schulunterricht ansieht, hat es wahrscheinlich nicht gelesen. Ja, das Buch kann sehr traurig machen. Aber die Lektüre verstört nicht. Sie verleiht einer dunklen Zeit ein menschliches Gesicht.
Es ist richtig, Anne Frank wurde von dem Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Kinder lesen die Aufzeichnungen Annes in dem Wissen, dass die Autorin niemals erwachsen werden durfte, dass Anne Frank in einer Zeit lebte, in welcher in Deutschland und den Ländern, die Deutschland besetzt hielt, selbst Kinder verfolgt und getötet wurden. Dennoch haben drei Generationen von jungen Menschen dieses Buch quasi als Gegengift zu der Verzweiflung gelesen, die mit dem Bewusstsein einhergehen kann, was Menschen einander antun können. Dies gilt insbesondere für Kinder in Deutschland, die begreifen, dass dies die Geschichte ihres eigenen Landes ist.
Anne starb in Bergen-Belsen an Typhus. Die Verhältnisse, unter denen sie eingesperrt und untergebracht worden war, machen ihren Tod zum Mord. In Annes Tagebuch lesen wir dennoch nicht von Hass und Vergeltungssucht, obwohl die Aufzeichnungen in dem klarem Verständnis der Gefahr geschrieben wurde, in dem die Autorin und ihre Familie in ihrem Versteck in Amsterdam leben mussten.
Wir werden vielmehr Zeuge, dass ein sehr junger, sehr begabter Mensch sich auch in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte die Liebe zum Leben und ihre Wünsche für ihre eigene Zukunft zu bewahren verstand. Wir lesen, dass ein junges Mädchen sich trotz höchster Not von einem Fleck Sternen besätem Nachthimmels, erspäht aus der Enge ihres Verstecks, verzaubern lassen konnte. Wir lesen von Lebensmut und Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Und das ist der Grund, warum dieses Tagebuch nach all diesen Jahren immer noch und immer wieder gelesen wird – und warum es eine geeignete Schullektüre ist.
Das Tagebuch der Anne Frank spricht davon, wer Menschen sein können, gerade auch junge Menschen. Es spricht davon, dass ein Mensch in den dunkelsten Tagen Liebe und der Hoffnung empfinden und sie auch an andere weiter geben kann. Wer an den Menschen verzweifelt, wer an der deutschen Geschichte verzweifelt, wende sich an dieses Buch. Es zeigt in klarer Sprache, dass wir die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.
Anne Frank, Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl, Victor Klemperer haben sie sich ihre menschliche Stimme, ihre Gefühle und Würde auch in der Verfolgung nicht nehmen lassen. Auch dies lässt sich aus der Geschichte Deutschlands lernen – auch dies ist Teil unserer Geschichte.
Dass einzelne Menschen, unter ihnen sehr junge Menschen wie Anne Frank und Sophie Scholl, nicht mit Hass sondern mit fragendem Verwundern auf diejenigen reagierten, die sie verfolgten, darf uns mit dem, was Menschen vermögen, versöhnen, auch wenn es uns auferlegt, dass wir uns mit diesem Teil unserer Geschichte niemals aussöhnen dürfen. Es war Finsternis in jener Zeit – aber es gab auch Licht. Dass uns gerade von denen, die verfolgt wurden, Stimmen der Menschlichkeit überliefert sind, zeigt uns und unseren Kindern einen Weg aus der Verzweiflung über unsere eigene Geschichte.
Unseren Kindern im Schulunterricht oder zu Hause das Tagebuch der Anne Frank zu geben, und es ihrer Stimme zu überlassen, zu beschreiben, wer wir als Menschen sind und wer wir sein können, ist für mich vor allem anderen nicht nur eine Geste der Bewunderung für den unfassbaren Mut, der in Anne Franks Worten klingt, einen Mut, den ich auch meinen eigenen Kindern und Schülerinnen und Schülern wünsche, mögen sie niemals solche Zeiten erleben, sondern auch eine späte Erfüllung von Annes Wunsch, eine ihrer Begabung entsprechende Schriftstellerin zu werden und nachfolgende Generationen zu berühren und zu beeinflussen.
Ich glaube, dass es nach der Lektüre von Anne Franks Tagebuch möglich ist, sich in Angesicht von Anne unerschütterlichem Lebensmut unserer Geschichte, der deutschen Geschichte, anzunehmen, auch dort, wo sie unerträglich ist, sie nicht zu verleugnen, sie weiter zum Gegenstand unserer Betrachtung zu machen. Sie nicht zu vergessen, die Menschen, die unter den Nationalsozialisten verfolgt wurden, nicht zu vergessen. Nicht zu wünschen, dass dieser Teil unserer Geschichte vergessen werde, nicht zuletzt auch, weil das hieße, das diese Menschen in Vergessenheit gerieten. Ich möchte glauben, dass dies möglich ist.
Mehr Mut als der, zu unserer Geschichte zu stehen, aus ihr zu lernen, ist von uns, den nachfolgenden Generation, derzeit nicht verlangt. Mut, in unserer Zeit zu wirken, zum Beispiel Verfolgte anderer Regime aufzunehmen, und ihnen eine Möglichkeit zum Neuanfang zu bieten. Sie nicht zurück zu schicken in das Elend, dem sie zu entkommen versuchen.
Das ist sehr wenig im Vergleich zu dem Mut, den ein Mädchen in Todesgefahr aufbrachte, um ihr Leben in einem Versteck in einem Hinterhaus weiter zu leben. Etwas von Annes Mut und Liebe und ihrem unerschütterlichem Glauben daran, dass das Leben ein Geschenk ist, sollte es uns erlauben, die ganze Geschichte Deutschlands, unsere Geschichte, gegenwärtig zu halten, sie auszuhalten und weiterzugeben – und zwar zusammen mit der Hoffnung, dass wir immer die Wahl haben, zu sein, wer wir sein wollen.
Anne Frank, Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer – sie waren nicht nur Licht in ihrer eigenen, sondern ein Vermächtnis auch an unsere Zeit.
Annes Tagebuch ist ein Geschenk, keine Bürde. Es gehört in den Schulunterricht. Es gehört zum kulturellen Erbe unserer Kinder.